Verena Guther

Interview

Faszinierend und unerträglich zugleich
Verena Guther über Ihre Städtebilder, zu sehen in der Galeria Kunstmann

In der Galeria Kunstmannin Palma ist eine Ausstellung mit dem Titel ›Ciudades‹ der Deutschen Künstlerin Verena Guther zu sehen […] Verena Guther studierte Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt experimentelle Grafik an der Hochschule der Künste Berlin; Heute lebt und arbeitet sie als freie Künstlerin in Darmstadt. Ihre Städtebilder sind eine Allianz zwischen Fotografie und Malerei.

MM: Immer mehr Menschen leben heute schon – und künftig noch mehr – in Städten. Was fasziniert Sie denn an Städten besonders?

Verena Guther: Der Prozess der ständigen Veränderung, die atmosphärische Dichte, die Gegensätze, die Vielschichtigkeit, die sozialen und städtebaulichen Strukturen, die Umbrüche und Wunden und natürlich der spezifische Rhythmus einer Stadt. Gerade weil so viele Orte in den großen Städten austauschbar sind, suche ich das ganz Eigene und Charakteristische einer Stadt.

Denken Sie zum Beispiel an die unterschiedlichen Ebenen und Schichtungen. Während die Dachlandschaft von New York mit ihren Wassertanks an Industrie erinnert, strahlen die Pariser Dächer mit ihren Schornsteinen eine fast meditative Ruhe aus.

MM: Welche Rolle spielen die Menschen in Ihren Städtebildern?

Verena Guther: Der Mensch prägt das Bild einer Stadt und die Impulse, die von einer Stadt ausgehen. Er ist Teil eines Ganzen, in dem von ihm geschaffenen Stadtgefüge.

In meinen Bildern taucht er als ›Masse Mensch‹, als anonymer Protagonist oder als Maßstab im Verhältnis zur Architektur und Stadtraum auf.

MM: Ihre Städtebilder zeigen eine gekonnte Mischung von Form (Fotografie) und Farbe ( der malerische Aspekt). Welcher Aspekt ist bei der Planung und Ausführung Ihrer Städtebilder wichtiger?

Verena Guther: Meine Städtebilder geben einen subjektiven, sehr persönlichen Eindruck wieder. Die Fotografie dominiert, nicht durch die Wertigkeit des Mediums, sondern vom Entstehungsprozess her. Die Ausschnitte meiner Malerei sind Weiterentwicklungen und Ergänzungen, die ich aber bereits während des fotografischen Prozesses entwickele.

MM: Sie leben und arbeiten in Darmstadt, einer mit 140.000 Einwohnern verhältnismäßig kleinen Stadt. Könnten Sie sich vorstellen, in einem Moloch wie Mexiko City oder London zu leben?

Verena Guther: Temporär kann ich mir das vorstellen.

MM: Welche Stadt ist für Sie der größte Horror, welches ist Ihre Lieblingsstadt?

Verena Guther: Die meisten Städte haben ein bisschen von beiden. So verbindet mich mit New York beispielsweise eine Art Hassliebe. Diese Stadt hat für mich einerseits etwas absolut Faszinierendes und Anziehendes, andererseits würde ich dieses ›Nonstop‹ auf Dauer als unerträglich empfinden.

MM: Wie geht die technische Fertigung Ihrer Bilder vor sich?

Verena Guther: Die Komposition der fotografischen Einzelbilder mit ausgewählten Fragmenten meiner Malerei montiere ich digital auf eine Bildebene.

MM: Die Fotografie hat sich längst als Teil der bildenden Kunst etabliert. Wird dieser Trend noch wachsen? Wie sehen Sie die Zukunft der Kunstfotografie?

Verena Guther: Das Interesse und die Sensibilität der Öffentlichkeit gegenüber der zeitgenössischen Fotografie werden zunehmend größer, besonders die realistische Darstellung scheint in der zeitgenössischen Fotografie immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Die eigenständige Bildsprache eines Künstlers ist dabei das Entscheidende.

Mallorca Magazin 19/2007. Die Fragen stellte Gabriele Kunze.

↑ nach oben

© 2014 Verena Guther   |   E-Mail   |   Impressum   |   Datenschutzerklärung